Lebensmittelskandale häufen sich. EHEC ist das aktuelle Beispiel ... auch wenn der EHEC-Ursprungstyp bereits in den 80er Jahren das erste Mal auftauchte. Damals im Hamburger von McDonalds. Am Handling dieser Krise wird deutlich, wie schwierig es in der heutigen zentralisierten, globalen Versorgungskette ist, die Ursprünge von Lebensmitteln bzw. deren Bestandteile rückzuverfolgen.
Eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet will nun Aldi-Süd und sein Fleischlieferant Tillman´s Fleisch & Convenience GmbH mit ihrem System "fTrace" übernehmen. Momentan erstreckt sich die Nachvollziehbarkeit über eine begrenzte Produkteanzahl von 5 Aldi-Marken. Es sind dies Böklunder, Gut Barenhof, Müller-Fleisch, Oldenländer und Tillmanns. iunctio.de hat die Funktionsweise einmal getestet, und dabei festgestellt, dass dieses System (unabhängig von seiner tatsächlichen Objektivität) ein gewaltiges Potential für Kundenbindung bietet! Aber ... zunächst der Reihe nach!
fTrace bietet unter "www.ftrace.de" eine entsprechende Gratis-App an, welche die Nachverfolgung ermöglichen soll. Die Systemvoraussetzungen erfordern aktuell ein iPhone, iPod touch oder iPad sowie mind. iOS 3.0. Wer dies nicht sein Eigen nennen kann, kann auf einen Barcode-Reader zurückgreifen, welcher ebenfalls zum Download zur Verfügung steht!
Wir selbst haben uns die App über den App-Store von Apple auf das iPhone4 heruntergeladen. Nun - liest man sich die (zum momentanen Zeitpunkt 53) Kundenmeinungen zu dieser App durch, erweckt dies zunächst nicht gerade den Eindruck einer Pionierleistung. Von Beschimpfungen ("Wegwerfen ... funktioniert nicht") bis zu eher mitleidigen 5Punkten nur für die Pioniertat ist alles vorhanden. Durchschnitt: 2 von 5 Punkten. Dennoch ... testen kostet ja nichts! Also heruntergeladen.
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Die Startseite bietet zunächst die Möglichkeit unter zwei Eingabevarianten zu wählen. Entweder fotografische Erfassung des sogenannten "fTrace-Codes", oder manuelle Eingabe des Codes. iPhone-Besitzer sind verwöhnt ... also bevorzugen wir die Foto-Variante. Nach dem Klick auf das entsprechende Symbol findet man eine Erläuterung (inkl. Beispielbild), wo auf der Verpackung sich das wichtige Symbol, der fTrace-Code (QR-Code), befindet. (dies erfolgt im Übrigen auch bei der manuellen Eingabe .. nachdem ich die Marke ausgewählt habe).
ACHTUNG! In der Regel befindet sich dieser Code auf der Rückseite ... also AUFPASSEN, dass der Schinken beim Umdrehen einer bereits geöffneten Packung nicht der Schwerkraft folgend sich gen Fußboden verabschiedet!!
(Stan Laurel/Oliver Hardy lassen grüßen!)
Beim nächsten Klick auf das Symbol "fTrace Code erfassen" startet dann die Fotoerfassung. Bei ausreichender Beleuchtung sollte der Code in dem sich zeigenden Fenster scharf erfasst sein. Ein Klick auf das Fotosymbol startet die Erkennung. Man sollte warten, bis diese fertig ist ... nicht vorher bereits das iPhone wieder bewegen!
Die Erkennung läuft recht schnell .. und funktionierte bei uns auf Anhieb!
Vor uns erscheint der Werdegang des Böklunder Schinkens. Angefangen vom Schlachtdatum über enthaltene Allergene, Haltbarkeitsdatum etc. bis hin zu den Umständen der Viehhaltung. Rezepttipps und allerlei weitere Informationen inkl. umfangreichem Bildmaterial teilweise auch aus der Produktionsumgebung runden das "Schinken-Dossier" ab. Um Fragen vorweg zu nehmen - NEIN ... die jeweilige Sau von welcher der Schinken stammt, ist nicht in Natura zu sehen! Lediglich ein Grafik die uns anzeigt, von welchem Körperteil der Schinken entstammt!
Dennoch eine wirklich feine Sache! Was noch fehlt ... eine Speichermöglichkeit oder pdf-Variante. Denn kaum einer legt sich das iPhone neben den Herd um die Rezepte umzusetzen!
Bei aller Begeisterung muss man natürlich auch berücksichtigen, dass die Informationen vom Hersteller stammen. Letztendlich hat er den Grad der Transparenz und die Art der Informationsdarstellung zu 100% in der Hand (mal von den Vorgaben die Aldi selbst gibt abgesehen). Dennoch ... ein Anfang ist gemacht. Einer Nachverfolgung u.U. auch schon während des Einkaufs steht nichts mehr im Wege!
Bei diesem Projekt zeigt sich aber auch deutlich, welche gigantische Chance nun für die Marken bestehen, Kundenbindungen aufzubauen. Das Projekt steckt noch in den Kinderschuhen .. das merkt man. Aber es wird nicht lange dauern, bis diese Informationen auch einen "Like" oder "Share"-Button haben werden, kommentiert werden oder mit weiteren Features ergänzt werden können. Lebensmittel bieten den Anfang, letztendlich ist das Feld des Einsatzes jedoch gigantisch. Hersteller von Holzmöbeln könnten dieses Feld genauso für sich entdecken, wie Spielwarenhersteller, Bekleidungsmarken usw.. Selbst Einblicke in die Produktion via Video oder sogar Web-Cam wären möglich. Ob nun der Kunde wirklich den kompletten Weg der Produktion seines Schinkens via Web-Cam verfolgen will, ist fraglich ... machbar aber wäre es! Vor allem deutsche Hersteller hätten Potential, z.B. ihren eigenen fTrace-Code den Produktbeschreibungen in Online-Shops, Katalogen oder Prospekten anzuhängen.
Transparenz als Marketing-Strategie!
Eine wunderbare Entwicklung wäre dies ... wenn sie denn ehrlich und nachhaltig betrieben werden würde! Auf jeden Fall eine gute Chance für die UnternehmerInnen, die sich wieder der Ehrlichkeit, Nachhaltigkeit und echter Kundenbindung bedienen.
Wir werden es mit Spannung verfolgen!
Mit sonnigen Grüßen
Michael Wieden
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